Oops! It appears that you have disabled your Javascript. In order for you to see this page as it is meant to appear, we ask that you please re-enable your Javascript!

Elektroschrott: Warum die Pfandpflicht für Smartphones in die falsche Richtung geht

Pflichtpfand für Smartphones klingt nach einer Idee, die nachhaltiges und ökologisch sinnvolles Verhalten fördern könnte. Doch der Vorschlag der Grünen greift zu kurz und wird der zunehmenden Menge an Elektroschrott nicht gerecht.

Die Grünen haben vorgeschlagen, Smartphones und Tablets mit einem verpflichtenden Pfand von 25 Euro zu belegen, um den Umfang der nicht oder nicht korrekt recycelten Geräte drastisch zu reduzieren. Der Gesetzentwurf, über den zuerst der Spiegel berichtete, sieht insgesamt 20 Maßnahmen vor, die dazu beitragen sollen, dass weniger Elektroschrott entsteht und Altmaterialien möglichst weitgehend wiederverwendet werden.

Dabei ist nicht einmal genau klar, welchen Umfang das Problem Elektroschrott genau weltweit hat, weil es keine belastbaren Zahlen gibt und vieles undokumentiert erfolgt. Experten sind sich allerdings ungewohnt einig darüber, dass es sich angesichts der steigenden Gerätezahl um eine Herausforderung handelt, die man angehen müsse. Von 53 Millionen Tonnen Elektroschrott weltweit ist die Rede (2018) – und von einer möglichen Verdoppelung in den nächsten 30 Jahren, insbesondere weil in den Emerging Markets der Anteil an Geräten zunehmen wird.

Doch in der Tat ist Deutschland in Sachen Wiederverwertung von Elektrogeräten verglichen mit anderen europäischen Ländern alles andere als spitze: 65 Prozent der Geräte sollen laut einer EU-Verordnung eingesammelt und wiederaufbereitet werden – und Deutschland verfehlt diese Quote um rund 20 Prozentpunkte. Um wie viel genau, ist nicht klar, weil die letzten Zahlen von 2017 stammen (damals 45,08 Prozent), inzwischen dürften es laut Experten eher sogar noch weniger Geräte sein, die dokumentiert in den Rohstoffkreislauf zurückfließen.

Elektroschrott oft undokumentiert nach Afrika exportiert

Länder wie Kroatien oder Estland sind hier mit rund 80 Prozent deutlich weiter, was das Einsammeln von Altgeräten betrifft. Zugrunde gelegt wird dabei die Menge der gesammelten Altgeräte im Vergleich zu den im Drei-Jahres-Schnitt in Verkehr gebrachten Geräten. Das ist zwar keine absolut belastbare Zahl, weil hierbei etwa nicht Veränderungen in der Lebensdauer der Geräte berücksichtigt werden und auch eine eventuell zweite Nutzungsdauer (Stichwort Weitergabe in Familien- und Freundeskreis) nicht berücksichtigt wird, kann aber durchaus als bestmöglicher Wert gesehen werden.

Doch was passiert ansonsten mit den Geräten? Ein Großteil der übrigen Produkte wird entweder nicht korrekt recycelt (rund die Hälfte) oder (größtenteils undokumentiert) ins Ausland ausgeführt. Rund 1,5 Millionen Tonnen Elektroschrott waren es laut einer Schätzung beispielsweise 2015. Ein Großteil davon soll in afrikanischen Staaten wie Ghana oder Nigeria landen. Dass das Geschäft mit den Altgeräten in vielen afrikanischen Regionen (unter erschreckenden Arbeitsschutzbedingungen) so gut läuft, hat mit den Teilen zu tun, die die Geräte enthalten: Vieles davon sind seltene Erden und Rohstoffe wie Kobalt oder Metalle wie Tantal oder Coltan, deren Auslösen sich durchaus lohnen kann, weil die Teile in der hier vorgefundenen Reinheit in der Tat schwer zu bekommen sind.

Der IT-Branchenverband Bitkom geht von mehr als 100 Millionen alten Handys und Smartphones aus, die die Deutschen in der Schublade liegen haben – und die geschätzt 24 Millionen Smartphones, die jährlich verkauft werden, sollen nach Hochrechnungen der Deutschen Umwelthilfe rund 720 Kilogramm Gold, 7,3 Tonnen Silber und 396 Millionen Tonnen Kupfer enthalten – sowie diverse weitere Stoffe, die speziell für die Herstellung technischer Produkte gefördert werden.

Pfandregelung weder gerecht noch zielführend

Dennoch wird ein Pfand von pauschal 25 Euro der Problematik nicht gerecht: Einen Käufer eines 1.000-Euro-Edel-Smartphones dürfte es weniger interessieren als den Besitzer eines 100-Euro-Plastik-Tablets vom Discounter. Vernünftiger wäre es, den Kunden unkomplizierte Abgabemöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, möglicherweise auch entsprechende Anreize zu bieten und dies auch deutlich kenntlich zu machen. Bisher sind weder Discounter noch Versender besonders erpicht darauf, den Kunden darüber aufzuklären, in welcher Form er ein Altgerät über sie entsorgen kann. Denn was wohl den wenigsten Verbrauchern klar ist: Sie können bereits heute ihre Altgeräte beim (Online-)Händler zurückgeben.

Sinnvoll wäre es daher auch, dass – ähnlich wie dies in anderen Ländern der Fall ist – die Kunden großflächig darüber informiert werden. In der Schweiz gibt es etwa entsprechende Werbeclips – mit dem Effekt, dass die Eidgenossen im Schnitt rund 16 Kilo Altgeräte einsammeln, während es bei uns nur zehn Kilogramm pro Person und Jahr sind. Hinzu kommt, dass eine Pfandregelung weder die Weiterverwendung im Familienkreis oder das Weiterverschenken fördern würde, noch ein eventuelles „zweites Leben“ im Ausland abbilden könnte.

Doch es gibt auch Dinge, die der Kunde bereits bei seiner Kaufentscheidung beherzigen kann – verbunden mit dem Ziel, möglichst längere Lebenszyklen der Geräte zu ermöglichen: Der seit Jahren zu beobachtende Trend etwa, dass inzwischen sämtliche Smartphones aus Kosten- und Platzgründen fest verbaute Akkus enthalten, ist aus Nachhaltigkeitssicht wenig hilfreich.

Auch wenn die Idee, dass Unternehmen Geräte gezielt so konzipieren, dass sie mehr oder weniger genau nach zwei Jahren kaputt gehen, wohl getrost ins Reich der Legenden verbannt werden kann, gibt es eine einkalkulierte, und somit irgendwie dann doch geplante Obsoleszenz. Die hat inzwischen, anders als noch vor fünf Jahren, gar nicht mal so viel mit den steigenden Leistungsanforderungen an die Hardware zu tun, sondern eben mit Themen wie der nachlassenden Akkuleistung oder dem fehlenden Support seitens des Betriebssystems. Wer zumindest sicher sein kann, dass er auch noch die übernächste oder weitere OS-Versionen erhalten wird, tut sich leichter, sein Smartphone oder Tablet länger zu nutzen.

Möglichkeit, Smartphones einfach zu reparieren, viel wichtiger

Hinzu kommt das Recht auf Reparatur, das ja durchaus 2019 von Verbrauchern und Umweltschützern weiter getrieben wurde. Erst wenn nicht nur die Bereitstellung von Ersatzteilen Pflicht wird, sondern auch entsprechende kundengerechte Einbaulösungen möglich werden, ist die Nachhaltigkeit erhöht. Diese Pflicht zu Bereitstellung von Teilen gibt es ab 2021 für Kühlschränke, Fernseher und einige andere Gerätegattungen – noch nicht aber für Smartphones oder auch Notebooks. Smartphones wiederum werden übrigens von vielen Reparatur-Cafés und DIY-Werkstätten gar nicht angenommen, weil sie zu komplex zu reparieren seien.

Möglich wäre, für all das – Reparaturmöglichkeiten, Tauschbarkeit von Akkus, Betriebssystemversorgung über mehrere Jahre – eine Art Umweltsiegel zu etablieren, das Kunden kurz und knapp darüber informieren könnte, wie es um die Nachhaltigkeit des jeweiligen Gerätes steht. Denn Kunden fragen danach durchaus, erhalten aber zum jetzigen Zeitpunkt gerade im Handel noch kaum Antworten.

Das könnte dich auch interessieren: 

weiterlesen auf t3n.de
Source: Cloudnachrichtem

Tags:

Keine Kommentare

    Hinterlasse einen Kommentar

    error: sorry..